Die Geschichte von Atari 



1962-1972: Vorgeschichte

1962
Steve Russell, Professor für Computerwissenschaften am Massachusetts Institute of Technology (MIT), und zwei seiner Studenten entwickeln an einer DEC PDP-1 das Videospiel „Space War“. Nolan Bushnell, Student an der University of Utah, ist begeistert von Space War. In den Semesterferien jobbt Bushnell in einer Spielhalle. Das bringt ihn auf die Idee, Space War als Münzspielautomat zu entwickeln. Allerdings fehlt es ihm an Geld und die benötigte Hardware brauchte etwa so viel Platz wie ein Kleinwagen. Es sollten noch einige Jahre vergehen, bis Bushnell sein Vorhaben realisieren kann.

1968
Ralph Baer, angestellt bei einem Militärdienstleister in New Hampshire, entwickelt mit der Brown Box ein einfaches Videospiel für den heimischen Fernseher und stellt es seinem Arbeitgeber vor, der allerdings damit wenig anzufangen weiß. Baer schließt sich daraufhin mit Magnavox zusammen.

1969
In Haus des Ampex-Mitarbeiters Larry Bryan findet das erste Treffen von „Syzygy Engineering“ statt. Neben Bryan gehören Nolan Bushnell und Ted Dabney, beide ebenfalls bei Ampex angestellt, dazu. Alle drei steuern je 350 Dollar zum Startkapital bei.

1971
Syzygy arbeitet mit Hochdruck an „Computer Space“, welches im September diesen Jahres vor der Vollendung steht. Nutting Associates produziert das Spiel und liefert ab Oktober aus.

1972
Bis April verkauft sich „Computer Space“ rund tausend Mal – was Nuttings Erwartungen allerdings nicht erfüllt. Das Spiel ist nur mit Hilfe eines dicken Handbuchs zu bewältigen. Syzygy erkennt das Problem und versucht jetzt, ein sehr einfaches Videospiel zu bauen. Bushnell sieht im Mai im „The Magnavox Profit Caravan“ am Flughafenhotel Marina in Burlington das Fernseh-Tennisspiel „Odyssey 100“. Dieses aus Baers Brown Box entstandene TV-Spiel ist genau das, was Bushnell gesucht hatte und er gibt Syzygy-Entwickler Al Alcorn den Auftrag, das Spiel als Arcade-Version umzusetzen. Währenddessen ist Syzygy auf der Suche nach einer neuen Bleibe und die Marke soll außerhalb von Nutting Associates als eigenständige Firma etabliert werden. Für das von Nutting fallen gelassene „Computer Space“ wird ein Käufer gesucht, Bally lehnt allerdings ab und so wird das Spiel bald darauf eingestellt. Bushnell und Dabney sollen dafür für Bally zwei eigene Spiele entwickeln.



1972-1976: Die ersten Jahre

1972 – Atari wird gegründet und PONG kommt in die Spielhallen
Atari-Logo 1972 (SA = Syzygy Atari Engineered) Bushnell und Dabney steigen im Juni bei Nutting aus und gründen am 27. Juni eine eigene Firma. Fünf Namen werden dem Staat Kalifornien vorgelegt: Neben Syzygy (ein Begriff aus der Astronomie), den sie schon während ihrer Zeit bei Nutting verwendeten, aber bereits an einen örtlichen Dachdecker vergeben war; sind dies B.D. (abgeleitet von Bushnell und Dabney; wird abgelehnt, da man Verwechslungen mit dem Werkzeughersteller Black & Decker aus Baltimore befürchtet), Hanne, Sente (先手) und Atari (当たり), die letzten beiden Begriffe stammen aus dem japanischen Brettspiel Go (囲碁). Sente bedeutet „Vorhand“ und Atari etwa „Treffer“ oder „Erfolg“. Wenn bei Go Steine im „Atari“ stehen, können sie geschlagen werden, ähnlich wie „Schach“ im gleichnamigen Brettspiel. Ein weiterer Begriff des Spiels, Tengen (天元, „Mitte des Himmels“), wurde 1984 zum Namen der Atari Games-Tochter Tengen Inc. Schließlich einigt man sich auf Atari, wobei noch einige Zeit „Syzygy Engineering“ zusätzlich auf den Typenschildern stehen sollte. Die Rechte am Ein-Spieler-Automaten bleiben bei Nutting.

Atari-Leitung 1972
Die Leitung 1972: ganz links am Bildrand Ted Dabney, in der Mitte Nolan Bushnell und rechts außen Al Alcorn - Bild © Atari

Atari Pong (1972)

Alcorn baut die ersten Pong-Automaten - abgeleitet von dem Spiel, das Bushnell wenige Monate zuvor in Burlington sah. Bushnell sucht Firmen, die bereit sind, das Gerät in größeren Stückzahlen zu produzieren. Er erhält aber nur Absagen. Also beschließt er, den Automaten selbst zu bauen. Im September stellt Bushnell einen Automaten in der Kneipe „Andy's Capps“ im Nachbarort Sunnyvale auf. Der Besitzer ruft ihn nach wenigen Tagen an, er solle das Gerät wieder mitnehmen, da es kaputt sei. Jedoch: Der Fehler lag nicht am Automaten selbst, sondern am Münzbehälter. Der war durch die vielen eingeworfenen Münzen bereits so voll, dass er schlichtweg keine Münzen mehr annehmen konnte. Pong geht daraufhin am 29. November in Serie (Bild) - mit riesigem Erfolg: Innerhalb eines Jahres werden rund zehntausend Spielgeräte verkauft. Der Umsatz in diesem Jahr beträgt drei Millionen Dollar.

1973 – Das erste Jahr nach der Gründung
Anfang des Jahres bezieht Atari eine Halle an der 1600 Martin Avenue in San Jose. Bushnell kauft im Februar Dabneys Anteil an Atari auf, dieser bleibt aber Atari als Angestellter erhalten. Es gelangen immer mehr Pong-Nachbauten auf den noch jungen Markt – einer davon auch von Nutting Associates, jener Firma, die Bushnell die Unterstützung für Pong verweigerte. Ein anderer wurde im April von Bally Manufacturing unter dem Namen „Midway Winner“ veröffentlicht, dieser wurde von Atari lizenziert. Atari selbst baut auch immer mehr Automaten. Im Juli erscheint Space Race und Merlin Enterprises wird zum Vertrieb der Atari-Geräte in und um Salt Lake City gegründet. Im August werden die Ziele bis zum Jahresende ausgegeben: Vier weitere Arcades sollten auf den Markt kommen, ein 20-Spieler-Gotcha für die nächste Herbstmesse und ein „Pong“ für den heimischen Fernseher – auf Letzteres muss man aber noch zwei Jahre warten. Atari Japan wird im selben Monat gegründet, Kee Games im September. Auch im September kommt „Pong Doubles“ heraus, das in Frankreich (dem ersten europäischen Atari-Markt) „Coupe Davis“ heißt. Im Oktober folgt das Release von „Gotcha“. Für 1973 gab Bushnell den Umsatz mit 19 Millionen Dollar an.

1974 – Atari und Kee Games fusionieren
Schon bald folgen „Super Pong“ (Februar), „QuadraPong“ (März), eine Cocktail-Variante von Pong im Mai, „Puppy Pong“ (August), „Dr. Pong“ (September) und „PinPong“ (Oktober) - die Varianten für Pong scheinen unerschöpflich. Aber auch andere Spiele wie „Rebound“ (Februar), „Qwak“ und die „Trak“-Serie erscheinen. Atari Pacific wird im Februar gegründet und soll sich um den Vertrieb auf Hawaii und Guam kümmern, aber bereits ein halbes Jahr später wird die Tochterfirma wieder geschlossen. Am 17. April erhebt Magnavox Sammelklage gegen Atari, Bally, Empire Distributing, Chicago Dynamic Industries und Allied Leisure auf Grund von Patentrechtsverletzungen. Atari verkauft im August Atari Japan für 500.050 Dollar an Nakamura Manufacturing. Kee Games bringt unter anderem die Spiele „Spike“ (März), „Formula K“ (April), „Tank II“, „Crossfire“ (beide Mai) und „Tank“ (November auf der Messe „Music Operators of America“) heraus. Im September beginnt Harold Lee mit der Entwicklung einer Heimversion von Pong, ihm helfen Robert Brown und Al Alcorn. Mit „Indy 800“ wird im November das erste Spiel in Farbe präsentiert. Im Dezember fusionieren Atari und Kee Games und Joe Keenan wird Präsident von Atari an Stelle von John Wakefield, der diese Funktion seit 1973 wahrnahm. Bushnell bleibt CEO und Geschäftsführer. In diesem Jahr kauft Atari den kleinen Jukebox-Hersteller „Electro-Kicker“ in Frankreich und bringt dort Jukeboxen unter dem Namen Atari heraus. In diesem Jahr macht Atari einen Umsatz von 35 Millionen Dollar.

1975 – PONG kommt nun auch nach Hause
Atari Pong C-100 (1974-1976) Atari stellt die Heimversion von Pong (Bild) im Januar auf der Winter CES in Las Vegas vor. Die Pinball Division wird im Februar gegründet, von Anfang an mit dabei ist der heute als Pinball-Designer bekannte Steve Ritchie. Tom Quinn, Einkäufer der amerikanischen Kaufhauskette Sears, bestellt im März 75.000 „Pong“-Geräte und vertreibt sie ab November unter dem Namen „Tele-Games Pong“. „Indy 800“ wird im April zum Stückpreis von 6495 Dollar auf den Markt gebracht, ein weiteres Spiel aus dem selben Monat wird „Hi-Way“. Gleichzeitig beginnen bereits erste Vorbereitungen für einen eventuellen Verkauf Ataris. Die Chips für Home-„Pong“ sind im Juli fertig, woraufhin die Konsole der FCC zur Überprüfung gesendet wird. Die Freigabe wird am 17. Juli erteilt und die Produktion der Geräte kann beginnen. Im Oktober folgen mit „Steeplechase“, „Jet Fighter“ und „Crash n' Score“ weitere Arcades. Atari beginnt im November mit der Entwicklung von „Video Music“. Im Weihnachtsgeschäft wird „Pong“ zum größten Renner, und Atari wird in den ganzen USA bekannt. Atari macht in diesem Jahr einen Umsatz von vierzig Millionen Dollar und einen Gewinn von drei Millionen Dollar. Am 20. November wird das Logo ein eingetragenes Warenzeichen (®).

1976 – STELLA wird geboren
Nachdem Sears seine „Pong“-Lieferungen erhalten hat, wird die Spielkonsole ab Januar auch unter eigener Marke produziert und ab Februar vertrieben. Die Gebäude 155 Moffett Park Drive und 1195 Borregas Avenue in Sunnyvale werden im Januar bezogen. Im März beginnen Jay Miner und Harold Lee mit der Entwicklung des Grafikchips TIA, der das Herzstück zur geplanten Spielkonsole „Stella“ wird. Die Idee hinter Stella war der Gedanke, dass man Arcadespiele auch zu Hause spielen können sollte, ohne jedes Mal eine neue Konsole kaufen zu müssen. Atari bringt im Coin-Op-Bereich weitere Kassenschlager - darunter im März „Outlaw“ und im April „Breakout“ (welches vom späteren Apple-Mitbegründer Steve Wozniak entwickelt wird) auf den Markt. Mit „Kee Games Quiz Show“ veröffentlicht Atari sein erstes Spiel mit Mikroprozessor. Unter der Marke Kee Games erscheinen „Tank 8“ im April und „Fly Ball“ im Juli. Im selben Jahr wird Cyan Engineering von Atari aufgekauft. Cyan dient Atari zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Der Angestellte Steve Jobs versucht, die Entwicklung eines Heimcomputers bei Bushnell durchzusetzen, stößt dabei aber noch auf wenig Begeisterung. Daraufhin kündigt Jobs, gründet mit Wozniak, bislang bei Hewlett Packard angestellt, die Firma Apple und veröffentlicht mit dieser den Apple I. Die Jukebox-Abteilung wird an Europe Electronique SA verkauft, die Atari-Jukeboxen dort noch bis 1978 produziert. Atari macht in diesem Jahr einen Umsatz von dreißig Millionen Dollar. Die Atari Holdings Inc. wird im Juli an Warner Communications verkauft.



1976-1984: Atari als Tochter von Warner Communications – Aufstieg und tiefer Fall

1976 – Der Verkauf an Warner Communications
Weil Atari langsam das Geld für die Entwicklung der Stella ausgeht, verkauft Bushnell die Firma zum 1. Oktober für 28 Millionen Dollar an den Medienriesen Warner Communications – vierzehn Millionen davon gehen in Bushnells eigene Tasche. Warner-Geschäftsführer Emanuel „Manny“ Gerard wusste anfangs gar nicht, was er da eigentlich gekauft hatte. Keenan und Bushnell bleiben weiterhin die Geschäftsführer bei Atari, deren neue Zentrale sich nun in der 1265 Borregas Avenue befindet. In einem Interview mit „Welt Online“ vom 2. Juli 2010 sagt er, dass der Verkauf sein größter Fehler gewesen sei. Zitat: „Ich hatte nie erwartet, dass das Unternehmen so heruntergewirtschaftet werden würde. Ich dachte, dass die Macher in den Chefetagen großer Firmen ziemlich kluge Menschen wären, sonst wären sie nicht so weit gekommen. Aber es stellte sich heraus, dass es genau andersherum ist: Je größer das Unternehmen, je dämlicher ist das Management.“. Die Tochterfirma Kee Games wird unterdessen geschlossen, die Marke von Atari aber weiter verwendet. Nach dem Verkauf an Warner erscheinen die Arcades „Night Driver“ (Oktober), „F1“ (November, Lizenziert von Nakamura) und unter Kee Games „Sprint 2“ (November), außerdem im November der Flipper „The Atarians“. Die Arbeiten an „Video Music“ kommen im November zum Abschluss.

1977 – Das Jahr des Video Computer Systems
Atari 2600 (1977-1991), hier die erste Version von 1977 Im Februar erhält „Video Music“ die FCC-Freigabe, mit der Entwicklung des Videochips „STELLA A/N“, dem späteren „ANTIC“, wird im selben Monat begonnen. Bushnell gründet in San Jose am 370 South Winchester Boulevard die Tochterfirma „Chuck E. Cheese's Pizza Time Theatre“. Neben dem Arcade „Tank II“ wird die Spielkonsole „Stella“ auf der Summer CES erstmals als „Atari Video Computer System“ vorgestellt und ab September verkauft. Nakamura Manufacturing, der Eigentümer der ehemaligen japanischen Atari-Niederlassung, gibt sich den noch heute bekannten Namen „Namco Ltd.“. Im August wird erstmals am Projekt „Colleen“ gearbeitet, in dem der „STELLA A/N“ zum Einsatz kommen sollte. Colleen sollte dabei noch zwei weitere Modelle zur Seite gestellt bekommen: „Candy“ als VCS-Nachfolger ohne Tastatur und „Elizabeth“ als All-in-One-Computer mit eingebautem Monitor. „Tank II“ wird derweil wieder eingestellt. Cyan Engineering arbeitet ab November an einem Drucker für „Colleen“. Bedeutende Arcades in diesem Jahr sind „Drag Race“ (Kee Games, Juni), „Super Bug“ (Kee Games, September), „Destroyer“ (Oktober) und „Sprint 4“ (Dezember), daneben erscheint im September der von Steve Ritchie und Eugene Jarvis gestaltete Flipper „Airborne Avenger“. Atari macht in diesem Jahr einen Gewinn von 40 Mio. US-Dollar und eröffnet im März in der 1215 Borregas Avenue die Cafeteria.

1978 – Ray Kassar kommt und schickt Bushnell aufs Abstellgleis
Ray Kassar Jay Miner wird Chefentwickler für das Projekt „Colleen“. Im Februar beginnen Verhandlungen zwischen Raymond Kassar (Burlington Industries) und Manny Gerard (Warner Communications), Bushnell und Keenan sind anwesend. Kassar will zunächst nicht für Atari arbeiten und stellt Bedingungen, auf die Warner seiner Meinung nach nicht eingehen würde, darunter ein eigenes Appartement in San Francisco, einen eigenen Fahrer und eine Gewinnbeteiligung). Warner stimmt allerdings zu und Kassar erhält zunächst einen Halbjahresvertrag als Präsident der Consumer Products Division. Kassar hat bei Atari von Anfang an einen schweren Stand, war doch die bisherige Unternehmungsführung eher locker. Er brachte als Manager kaum Technikverständnis mit und sah Frauen eher in Designergarderobe denn als Ingenieure, was viele weibliche Ingenieure dazu veranlasste, kurz nach seinem Eintritt zu kündigen. Programmierer hielt er für nicht wichtig und auswechselbar, denn „jeder Idiot könne diesen Job machen“. Bushnell kauft im März sein „Chuck E. Cheese's“ für 500.000 Dollar aus Atari heraus. Im Mai ziehen Coin Op und Consumer Engineering in das neue Gebäude an der 1262 Borregas Avenue ein. In Irland wird im September die europäische Atari-Niederlassung gegründet. „Colleen“ wird im November in „Atari 800 Personal Computer System“ umbenannt, „Candy“ in „Atari 400“, „Elizabeth“ wird ganz gestrichen. Bushnell fordert auf einer Sitzung im Dezember die Einstellung des VCS, da seiner Meinung nach der Markt gesättigt sei, einen Heimcomputer hält er zudem für überflüssig und die Pinball Division sollte geschlossen werden. Gute VCS-Verkäufe im Weihnachtsgeschäft verhindern einen Stopp des VCS. Bei Cyan wird unterdessen seit November an einem Spielzeugroboter unter dem Namen „Varmit“ gearbeitet, im Dezember sind erste Prototypen fertig. Atari macht in diesem Jahr bei den Consumer Produkten einen Umsatz von 178 Mio. Dollar, erwirtschaftet aber nur einen Gewinn von 2,7 Mio. Dollar. Einige Arcade-Hits in diesem Jahr sind „Sprint 1“ (Januar), „Ultra Tank“ (letztes Spiel unter Kee Games, Februar), „Tournament Table“ (März) und „Football“ (Oktober). Bushnell wird zum Jahresende auf einen Beraterposten abgeschoben, Keenan wird Chairman.

1979 – Die ersten Atari-Heimcomputer erobern den Markt, die Flipper werden eingestellt — und Atari verliert viele Angestellte
Atari 800 (1979-1982) Auf der Winter CES in Las Vegas stellt Atari, noch mit dem Ruf behaftet, ein „Spielzeughersteller“ zu sein, im Januar mit „Touch Me“, „Breakout“, „Space Invaders“ und der „Pro Coach“-Serie erste Handheld-Spiele vor, außerdem werden erstmals die Computer 400 – nun doch noch mit Tastatur – und 800 samt Peripherie (410, 810, 820) präsentiert. Ray Kassar wird unterdessen Präsident von Atari. Cyans „Varmit“-Roboter wird gestoppt. Atari verliert in diesem Jahr etliche seiner Top-Mitarbeiter: Bushnell verkauft Ende Januar seine Anteile und geht endgütig zu „Chuck E. Cheese's“, Jay Miner geht im Februar, nachdem er bei Kassar keinen Bonus erhalten konnte und sein Vorschlag eines Computers auf Basis des Motorola 68000-Prozessors abgelehnt wurde – er hatte bereits mit ersten Planungen begonnen, woraus Jahre später der Amiga entstehen sollte. Er geht zum Chiphersteller ZyMOS und gründet 1981 mit Activision-Mitgründer Larry Kaplan die Firma „Hi-Toro“. Joe Decuir, der ebenfalls einen 68000-Computer vorschlug, geht im August und gründet „Standard Technologies“. Die Spiele der Programmierer David Crane, Alan Miller, Bob Whitehead und Larry Kaplan setzen in diesem Jahr 60 Mio. Dollar um, wofür die vier mit Kassar einen Bonus verhandeln wollen. Dieser lehnt jedoch ab, die vier verlassen im August (Kaplan) bzw. September die Firma und gründen im Oktober mit „Activision“ den ersten Third-Party-Spielehersteller. Keenan verlässt Atari ebenfalls im September und wechselt zu „Chuck E. Cheese's“ als Präsident und COO. Kassar wird nun auch CEO von Atari. Nach der Veröffentlichung von „Superman“ im März und „Hercules“ im April wird die Pinball Division geschlossen, die Produktionsstätte an der 1173 Borregas Avenue wird zur Fabrik für die Heimcomputer umgewandelt. Am 29. August erfolgt die erste kleine Lieferung der im Januar vorgestellten Computer 400 und 800 (Bild) an die Kaufhauskette Sears, die die Geräte ab dem 1. September verkauft. Im Dezember folgt die erste Serienproduktion. Atari gibt bekannt, dass mittlerweile 400.000 VCS-Konsolen seit dem Start 1977 verkauft wurden. Im November wird der Handheld „Touch Me“ auf den Markt gebracht, er ist der einzige der im Januar vorgestellten Handhelds, die Marktreife erlangten. Größter Arcade-Hit in diesem Jahr wird „Asteroids“, welches im November erscheint. Daneben erscheint mit „Lunar Lander“ das erste Spiel mit Vektorgrafik. Der Umsatz in der Consumer-Sparte beträgt in diesem Jahr 238 Mio. Dollar.

1980 – Ein eher ruhiges Jahr
Die 80er-Jahre beginnen verhältnismäßig ruhig bei Atari. An Arcades erscheinen in diesem Jahr unter anderem der Hit „Missile Command“ (Juni) und der First-Person-Shooter „Battlezone“. Ein Meilenstein wird zudem das VCS-Spiel „Space Invaders“ nach dem gleichnamigen Taito-Arcade, welches im Januar erscheint, daneben werden auch Warren Robinetts „Adventure“ (das erste Action-Adventure und das erste Videospiel mit Easteregg) sowie „Night Driver“ (August) veröffentlicht. In Europa wird unterdessen der „Touch Me“-Handheld auf den Markt gebracht. Die Home Computer Division wird gegründet, die Sparte war davor Teil der Atari Consumer Electronics Devision. Die Consumer-Produkte erwirtschaften in diesem Jahr einen Umsatz von 512 Mio. Dollar.

Hier mal eine Übersicht, welche Gebäude Atari Ende der 1970er Jahre in Sunnyvale belegte:



Atari-Gebäude in Sunnyvale auf einer größeren Karte anzeigen



1981 – Atari Deutschland, Cosmos und erste Warnungen
Auf der Winter CES wird das holografische Spiel „Cosmos“ vorgestellt, es kommt jedoch ebenso wie das 3-Spieler-Tabletop „Spector“ nicht auf den Markt. Howard Scott Warshaw steigt bei Atari als VCS-Programmierer ein. Atari verklagt GCC im August auf 15 Mio. Dollar. GCC baute zu der Zeit Add-On-Boards für Arcade-Spiele, die die jeweiligen Spiele verbessern und beschleunigen sollten. Kunden können auf Grund des Prozesses die Boards nun nicht mehr kaufen und beschweren sich auf Anraten von GCC bei Atari. Warner Communications befiehlt daraufhin Atari, die Klage zurückzuziehen. GCC erhält von Warner einen Vertrag und entwickelt nun offiziell für Atari. Add-on-Boards, auch für andere Hersteller, müssen nun durch Atari genehmigt werden. Atari ist zu dieser Zeit nur in Nordamerika und Frankreich ein Begriff, der Rest der Welt kennt Atari nicht oder kaum. Klaus Ollmann, stellvertretender Geschäftsführer der bundesdeutschen WEA Music – ebenfalls im Warner-Konzern – fliegt öfters zum Mutterkonzern nach New York. Ende 1979 bekommt der Geschäftsführer der WEA, Siggi Loch, ein Paket von Warner mit dem VCS. Loch, nicht begeistert vom Videospiel- und Computermarkt, gibt die Sache an Ollmann weiter. Dieser setzt sich für das Produkt ein und gründet am 1. März 1980 innerhalb der WEA die Atari Elektronik Vertriebsgesellschaft. Am 1. April 1981 wird diese Firma aus der WEA ausgegliedert und als Atari Deutschland mit Sitz in Hamburg-Winterhude gegründet. Von dort aus laufen über die nächsten drei Jahre die Geschäftsaktivitäten Ataris in der Bundesrepublik. In der Zentrale gibt es unterdessen erste Pläne, den Atari 800 zu ersetzen, das Projekt wird zunächst „Atari Z800 Elizabeth“ genannt. Der 400 wird unterdessen in Westdeutschland zum Computer des Jahres gekürt. Roger Smith, Vice President for Company Affairs, warnt im November erstmals vor einem möglichen Platzen der Atari-Blase – allein die Consumersparte macht in diesem Jahr einen Umsatz von 1,2 Mrd. Dollar. Im selben Monat wird mit den Arbeiten an der „Personal Arcade Machine“ begonnen, das parallel zum VCS verkauft werden soll. Noch im selben Jahr wechselt der Name von PAM erst zu „Atari Video System X“ und dann zu „Atari 5200 Advanced Video Computer System“. Industriedesigner Regan Cheng legt das Design für die Nachfolger zu Atari 400 und 800 fest, die Geräte sollen deutlich schlanker und edler wirken und in ein „Hightech-Wohnzimmer“ passen. Al Alcorn verlässt Atari im Dezember, ebenso Rob Fulop und Dennis Koble, letztere gründen den Spielehersteller „Imagic“. In diesem Jahr erscheint mit „Tempest“ (Dave Theurer) der erste Automat mit farbiger Vektorgrafik.

1982 – Atari 5200, E.T. und der Börsenskandal
Atari 5200 Das Z800-Projekt wird im Februar in „Sweet 16“ umgetauft und soll bei Veröffentlichung „Atari 1000“ heißen – auf dieser Entscheidung basieren schließlich auch die Modellnummern der späteren XL-Peripherie. Ein halbes Jahr später wird aus dem 1000 der „Atari 1200 XL“. Atari entlässt im Februar 600 Mitarbeiter in den USA, bis Ende Juli wird weiteren 1100 Angestellten gekündigt, bei Atari arbeiteten Anfang 1982 insgesamt 11000 Angestellte, davon allein 7800 in den USA. An Arcades erscheinen in diesem Jahr unter anderem „Space Duel“ (Februar) und „Quantum“ (November), an Spielen für das VCS „Haunted House“ (Februar), „Pac-Man“ (April), „Yars' Revenge“ (Mai), „Defender“ (Juni) und „Star Raiders“ (September). Kassar und Steven Spielberg geben im Juli Warshaw den Auftrag, innerhalb von nur knapp sechs Wochen ein Videospiel zum Film „E.T.“ zu entwickeln – eine Spielentwicklung dauerte zu diesem Zeitpunkt normalerweise etwa fünf bis sechs Monate. Das im Vergleich zu anderen VCS-Titeln recht komplexe Spiel wird von Steven Spielberg – der erst ein ähnliches Spiel wie Pac-Man haben wollte – getestet und abgesegnet und Warshaw von ihm als „Genie“ bezeichnet. Im November wird das „Atari 5200 Super System“ auf den Markt gebracht, gleichzeitig das VCS als „Atari 2600“ neu veröffentlicht. Atari stellt Mitte Dezember außerdem den 1200 XL vor, der die Nachfolge des Atari 800 antreten soll. Unterdessen arbeitet GCC seit Oktober an einer eigenen Spielekonsole unter dem Codenamen „Spring“ auf Basis des Intel 80186-Prozessors. E.T. kommt derweil in den Handel und belegt schon kurz darauf die Spitzenplätze in den Verkaufscharts, doch viele Spieler sind von dem Spiel enttäuscht und geben es in den folgenden Monaten zurück. Die Atari-Gruppe steuert mittlerweile ein Drittel des Gesamtumsatzes von Warner Communications bei und ist die am schnellsten wachsende Firma in den Vereinigten Staaten. Der Jahresumsatz 1982 liegt bei zwei Milliarden Dollar. Gegen Ende des Jahres sorgt Atari für Börsenschlagzeilen: Am 7. Dezember um 14:41 EST verkauft Kassar 5.000 Warner-Aktien im Wert von 250.000 Dollar und macht dabei einen Gewinn von 81.000 Dollar. Um 15:04 EST gibt Warner eine Gewinnwarnung aus, wonach der Konzern im vierten Quartal wohl zehn Prozent weniger Gewinn und Atari mehr als eine halbe Milliarde Dollar Verlust einfahren wird. Tags darauf fallen die Warner-Aktien um ein Drittel, landesweit stornieren Händler massenweise Aufträge. Am 14. Dezember beginnen die Ermittlungen gegen Kassar und Vize Dennis Groth – beide stehen im Verdacht, Insider-Geschäfte betrieben zu haben. Die Investoren an der Wall Street in New York wenden sich ab.

1983 – Das Krisenjahr: Atari XL, Alamogordo, Nintendo und Atari verhandeln und der Videogame-Crash kommt
Bereits im Januar wird das GCC-Spring-Projekt umgewandelt in „Maria“, eine Konsole, die im Gegensatz zum 5200 mit dem 2600 kompatibel sein soll. GCC stellt die Konsole Atari vor, die sich dem Projekt annehmen und ihm die vorläufige Modellnummer CX-3600 geben. Kassar entscheidet unterdessen, dass die Fertigung der Consumerprodukte, wo möglich, großteils nach Taiwan verlagert werden soll. Noch während der 1200 XL im März in die Läden gebracht wird, beginnen schon die Arbeiten an dessen Nachfolger und an einem für den 400. Dieser und der 800 werden im Mai aus dem Verkauf genommen. Die Telefonsparte „AtariTel“ wird im Nintendo Family Computer März erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ray Kassar wird im Juni entlassen, dies wird im Juli als Kündigung von Seiten Kassars bekannt gegeben. Neuer CEO wird im September der bislang bei Philip Morris tätige James Morgan. Während der folgenden Wochen und Monate sinkt die Belegschaft von über 10.000 Mitarbeitern auf etwa 2.000. Im April beginnen Verhandlungen zwischen Atari und Nintendo: Der japanische Spielehersteller möchte sein „Family Computer“ (FAMICOM) auch in Amerika vertreiben und bietet Atari an, die Fertigung der Gehäuse und Verpackungen sowie den Vertrieb des Systems samt Spielen zu übernehmen, erscheinen soll es im Dezember 1983. Bei Atari erhält FAMICOM die Modellnummer 2100. Nach dem Rauswurf Kassars verzögern sich die Verhandlungen jedoch, beim Antritt Morgans, der alle laufenden Entwicklungen für einen Monat stoppt, bricht Nintendo die Verhandlungen schließlich ab und vermarktet FAMICOM zwei Jahre später als „Nintendo Entertainment System“ selbst. Unterdessen macht die Zeitschrift New Media den E.T.-Entwickler Warshaw als „Schuldigen“ für den Zusammenbruch der gesamten Videospielbranche in Nordamerika aus – völlig zu Unrecht. Denn selbst, wenn E.T. ein so schlechtes Spiel wäre, ist es noch lange nicht genug, um eine milliardenschwere Branche zu Fall zu bringen. Viel mehr waren die Entwicklungen in den letzten zwei Jahren schuld daran. Nachdem Atari nach einem verlorenen Prozess anderen Herstellern gestatten musste, Spiele für die Konsole 2600 zu entwickeln, drangen mehr und mehr Firmen auf den Markt und unterboten sich gegenseitig, so dass 1983 eine regelrechte Schwemme an qualitativ fragwürdigen Spielen zu Niedrigstpreisen auf den Markt kamen, die Folge war dann eine Abkehr der Kunden von den Spielkonsolen. Daraufhin mussten die Konkurrenten Mattel und Coleco letztendlich die Segel streichen und auch von den Spielefirmen verschwanden viele genauso schnell wie sie gekommen waren. Ein weiterer Grund war, dass die Manager den Hals nicht voll genug bekamen – Ataris Management wollte weitere zehn Millionen 2600-Konsolen verkaufen, obwohl der Markt bereits mehr als gesättigt war. Großspurige Ankündigungen wie holografische Spielkonsolen oder Steuerung per Gedankenübertragung, die letztendlich doch nicht auf den Markt kamen, halfen auch nicht gerade. Zudem waren die Heimcomputer mittlerweile deutlich leistungsfähiger geworden und drangen so auch in den Videospielmarkt ein. Warshaws Ruf war allerdings dauerhaft beschädigt und er wird in den Folgejahren bei Preisverleihungen der Branche immer wieder übergangen. Im September findet in Alamogordo in der Wüste New Mexicos das statt, was in den Jahren danach aufgebauscht und verzerrt dargestellt wird: Mit dem Deponiebetreiber Browning Ferris Industries ist vereinbart, zwecks einer Lagerräumung ab 23. September auf der Deponie pro Woche drei Lastwagenladungen Module und Elektronik zum Preis von 300 bis 500 Dollar pro Ladung zu entsorgen. Allein bis zum 25. fahren aber bereits acht Lastwagen die Deponie an. Am nächsten Tag finden die Einwohner Alamogordos durch einen Artikel in der El Paso Times von der Atari-Entsorgung vor ihrer Haustür heraus und beginnen, die noch brauchbaren Artikel Atari 800 XL von der Deponie zu plündern. Am 28. September berichtet sogar die New York Times darüber. Vier Tage später lassen Atari und Browning Ferris die Sachen plattwalzen und mit Beton übergießen. Bis 29. September sind so vierzehn LKW-Ladungen voll Atari-Spiele und -Hardware in Alamogordo entsorgt worden, weit weniger, als Jahre später vermutet wird – dort war dann schon von „Millionen Pac-Man- und E.T.-Modulen“ die Rede. Ebenfalls im September gibt es neben der von Morgan verordneten Entwicklungspause den Stopp der Projekte 1400 XL, 1450 XLD, 1600 XL, Graduate Computer, 2600 Voice Module, 5200 Voice Module und AtariTel. Am 15. werden 380 von 650 Mitarbeitern in El Paso entlassen. Im Oktober stellt GCC die zweite Version des Grafikchips Maria unter der Modellnummer GCC-1702 vor, dieser wird das Herzstück der ebenfalls Maria getauften Spielkonsole. Im gleichen Monat werden die im Juni vorgestellten Computer 600 XL und 800 XL auf den Markt gebracht, der 1200 XL wurde bereits im Juni nach nur 105.000 produzierten Geräten wieder eingestellt. John Cavalier, verantwortlich für die Atari Products Company, verlässt diese und wechselt als General Manager Personal Computer Division zu Apple. Im November kommt es zu einer ersten Kontaktaufnahme zwischen Atari und Amiga, denen durch das Projekt Lorraine die Pleite droht. Atari plant im Dezember bereits die nächsten Computermodelle der XL-Serie, darunter der IBM-kompatible 1650 XLD, der auf Amigas Lorraine basierende 1850 XL und der 800 XLD, der den 800 XL und das Diskettenlaufwerk 1050 in einem Gehäse vereinigt. Arcades in diesem Jahr sind unter anderem „Star Wars“ (Mai), „Charley Chuck's Food Fight“ (Juli) und „Major Havoc“ (November). „Firefox“, das erste Laserdisc-Spiel Ataris, macht bei der Vorstellung im Oktober auf der AMOA in New Orleans Probleme, ein von Bushnell eilig herbeigeflogenes Ersatzboard funktioniert ebenfalls nicht. Der Hauptdarsteller vom gleichnamigen Film, Clint Eastwood, sollte für das Spiel auf der AMOA werben.

1984 – Quo vadis, Atari?
Atari 1450 XLD GCC-1702 weist im Januar erneut Fehler auf und muss nachgebessert werden, im April wird das Ergebnis als GCC-1702B präsentiert. Ab Mai kann dann endlich mit der Auslieferung der ersten Spielkonsolen begonnen werden – sie erscheint nun als „Atari 7800 ProSystem“. Die Spielkonsole 5200 wird unterdessen bereits im Februar eingestellt. John Ferrand (Präsident Coin Op) und Skip Paul (Präsident Atari) wechseln die Posten auf den des jeweils anderen. Ferrand ersetzt zudem David Ruckert bei der APC. Die Fabriken in Fajardo (Puerto Rico) und Hong Kong werden geschlossen, die Produktion der Consumer-Produkte nach El Paso verlegt und in Milpitas werden 250 Mitarbeiter entlassen, bis Mai werden im Konzern noch weitere 1000 Leute entlassen, wodurch die US-Belegschaft auf nur noch 1500 zusammenschrumpft. Entwicklungen im ersten Halbjahr betreffen hauptsächlich mehrere Computer, von denen es keiner auch nur über das Planungsstadium hinaus schafft: Gaza auf Basis von zwei 68000-Prozessoren; Omni, welcher auch mit 3D-Scrolling und Smoothing umgehen können sollte; Sierra, dessen Spezifikationen sich von Tag zu Tag ändern; den ebenfalls auf dem 68000 basierenden Minnie und den tragbaren Explorer. Der eigentlich bereits aufgegebene 1450 XLD wird im Juni neben dem 7800 auf der Summer CES vorgestellt und auch die Pläne, Atari-Telefone auf den Markt zu bringen, werden ab März wieder bekräftigt. Cyan Engineering wird im Juni geschlossen. Digital Research kauft Cyans DEC Vax auf und beginnt, auf diesem GEM zu entwickeln.

Amiga stellt auf der Winter CES bereits das Projekt Lorraine vor. Nur wenige Wochen vorher gab es noch keine fertige Hardware und Amiga stand finanziell am Abgrund. Jay Miner verpfändete sein Haus und Dave Luck verkaufte eins seiner teuren Autos. Der Prototyp stürzte zudem ständig ab. Noch während der CES verbessern Robert Mical und Dave Luck die Demo mit dem springenden, rot-weiß karierten Ball. Miner, der noch Kontakte zu seinem ehemaligen Arbeitgeber hat, arrangiert Verhandlungen über eine Lizenzvereinbarung zwischen Atari und Amiga, die ab Februar stattfinden und bis zum 30. Juni unterschrieben werden soll, was von vielen bei Amiga als „Pakt mit dem Teufel“ gesehen wird. Danach schießt Atari Amiga 500.000 Dollar vor, damit diese an Lorraine weiterarbeiten können. Atari bekommt dadurch aber auch Zugang zu den Entwicklern und beginnt mit der Entwicklung eines eigenen Boards. Atari zahlt die Summe im März, Amiga stellt daraufhin Atari die Lorraine-Unterlagen zur Verfügung. Bei Unterzeichnung der Lizenzvereinbarung sollen die Unterlagen in den Besitz Ataris übergehen, dafür soll Atari Amiga eine Million Dollar zahlen sowie eine Million Vorzugsaktien zum Stückpreis von drei Dollar kaufen. Außerdem werden 500.000 Dollar für jeden fertig entwickelten Chip fällig. Amiga erhät zudem Lizenzgebühren in Höhe von zwei Dollar pro produziertem Chip und 100.000 Dollar jährlich von der Coin Op-Division. Atari darf dafür ab 1985 eigene Computer-Addons für bestehende Spielkonsolen und ab 1986 auch eigene Computer mit dem Lorraine Chipsatz entwickeln. Sollte die Lizenzvereinbarung bis 30. Juni nicht unterzeichnet werden, soll Amiga den Vorschuss zurüchzahlen und Atari würde kostenfrei Zugriff auf die Lorraine-Chips haben. Die Amiga-Entwickler haben jedoch für den Fall der Fälle falsche Zeichnungen angefertigt, die sie Atari übergeben wollten – Chips, die nach diesen Unterlagen produziert worden wären, hätten schlicht nicht funktioniert. Die Originalzeichnung lag bei einem der Amiga-Entwickler zu Hause. Im Juni legt Atari Amiga eine Liste vor, nach der Lorraine nicht an Commodore, IBM, Apple, Philips und General Electric lizenziert werden dürfe. Im selben Monat ruft Commodore-Berater Steve Greenberg bei Amiga-Chef David Morse an und bietet ihm ebenfalls Verhandlungen an. Amiga versuchte bereits erfolglos, Lorraine an Sony, Hewlett Packard, Silicon Graphics, Philips und Apple zu lizenzieren. In Aussicht auf weniger restriktive Bedingungen treffen sich Greenberg und Morse wenige Tage später. Commodore ist bereit, den von Atari gezahlten Vorschuss plus eventuelle Zinsforderungen zu begleichen. Morse sagt am 28. Juni ein für 13:30 angesetztes Treffen zwischen ihm und Atari ab und trifft sich stattdessen abermals mit Commodore. Tags darauf übergeben Bill Hart und Morse Ferrand einen Scheck über 750.000 Dollar mit der Begründung, Amiga würde Lorraine nicht rechtzeitig liefern können. Jack Tramiel, der zu der Zeit mit Warner verhandelte, bekam einen Anruf vom Atari-Buchhalter, der fragte, was er mit dem Scheck machen solle, worauf Tramiel antwortete, wenn ihm jemand einen solchen Scheck unter die Nase halten würde, sollte er ihn auch annehmen. Tramiel ahnte zu der Zeit nichts von der zwischen Atari und Amiga getroffenen Vereinbarung. Ferrand möchte Amiga gerne noch Zeit lassen, doch dieser lehnt ab und bricht die Verhandlungen endgültig ab. Einen Tag später wird der Kaufvertrag mit Commodore unterzeichnet, aus dem Projekt Lorraine entsteht in den folgenden Jahren die Computerbaureihe Commodore Amiga.

Jack Tramiel Mitte der 1980er Jahre An einer anderen Front: Jack Tramiel, Holocaust-Überlebender und Gründer der Commodore Business Machines, muss nach einem Streit mit Mitinhaber Irving Gould über die Führung Commodores seine Firma verlassen und gründet Tramel Technologies Ltd. – absichtlich mit fehlendem „i“, um auf die korrekte Aussprache seines Nachnamens hinzuweisen. Nun sucht TTL landauf, landab nach Computerherstellern, die für eine Übernahme bereit sind, darunter besucht Tramiel auch Amiga, die jedoch wenig begeistert davon sind, dass er nur den Chipsatz, aber nichts weiter haben wolle. Im Mai kündigen bei Commodore Shiraz Shivji, Arthur Morgan, John Hoenig und Douglas Renn und wechseln zu TTL, ihnen folgen bald Lloyd Taylor (President Technology), Bernie Witter (Vide President Finance), Sam Chin (Commodore Asia), Joe Spiteri (Manufacturing), David Carlone (Manufacturing), John Teagans (PET) und Gregg Pratt (Vice President Operations), Jacks Sohn Sam Tramiel wird Präsident von TTL. Commodore-Chef Gould versucht, das Abwerben seiner Ingenieure durch Atari juristisch zu verhindern, hat damit aber keinen Erfolg. TTL beginnt mit den Arbeiten an einem sehr puristischen 16-Bit-Computer, der wenig später den vorläufigen Namen „TTL RBP“ (für Rock Bottom Price) erhält. Steve Ross von Warner Communications bekommt von den Kaufabsichten TTLs Wind und ruft im April Tramiel an. Warner sucht dringend einen Käufer für die angeschlagene Consumer-Sparte Ataris – Wisse Dekker von Philips hat bereits im April einen Kauf abgelehnt. Tramiel stimmt zu und so beginnen im Mai die Verhandlungen. TTL kauft die Atari-Consumersparte am 1. Juli rückwirkend zum 30. Juni für 75 Millionen Dollar in bar, 140 Mio. in Pfandbriefen zu 13% und weiteren 100 Mio. in nachrangigen Forderungen zu 9% auf. Die bei Warner verbleibende Coin Op-Sparte wird in „Atari Games, Inc.“ umbenannt, AtariTel später an Mitsubishi verkauft. Am 11. Juli fusionieren Tramel Technologies, Ltd. und Atari, Inc. zur Atari Corporation.

1984-1996: Atari unter den Tramiels – Von ST bis Jaguar

„Er sagt, er bringt Geschenke!“

1984 – Motto: „Business Is War“
Als die Tramiels drei Stunden nach dem Kauf in der bisherigen Forschungsabteilung und neuen Zentrale an der 1196 Borregas Avenue in Sunnyvale ankommen, soll der Pförtner „The stormtroups arrived!“ (Die Sturmtruppen sind gekommen!) gerufen haben. Der als unnachgiebig geltende Tramiel, der in Streitgesprächen auch schon mal seine eintätowierte KZ-Häftlingsnummer zeigte, um seine Entschlossenheit und seinen Überlebenswillen zu demonstrieren, und seine Söhne reisen um die ganze Welt und schließen einige Niederlassungen, darunter das Werk in Irland. Auch Klaus Ollmann von Atari Deutschland wird entlassen. Die Tramiels entlassen zwei Drittel der gesamten Belegschaft weltweit. Atari Deutschland zieht aus der Niederlassung in Hamburg aus und bezieht sein neues Hauptquartier in der Stadt Raunheim bei Frankfurt/Main. In Sunnyvale wird derzeit die Produktion sämtlicher laufender Serien (mit Ausnahme der Modelle 800 XL, 2600 A und einiger Peripheriegeräte wie dem Diskettenlaufwerk 1050) eingestellt sowie alle laufenden Entwicklungen gestoppt. Die gerade veröffentlichte Konsole 7800 wird sofort vom Markt genommen. Währenddessen entdecken die Tramiels die Pläne zur Lizenzvereinbarung mit Amiga in den Unterlagen und streben daraufhin ein Gerichtsverfahren gegen Commodore an, welches das Projekt Lorraine den gesamten Sommer über lahmlegen sollten. Amiga wird zwar am 13. August 1984 vollwertige Tochterfirma von Commodore – letztere kauften die Firma für 30 Millionen Dollar Ende Juni auf –, kann aber auf Grund des laufenden Verfahrens nicht produzieren, erst im Herbst läuft die Entwicklung wieder an. Atari und Commodore einigen sich erst im März 1987 außergerichtlich. Im September kauft Warner für rund zehn Millionen Dollar einige Anteile von der Atari Corporation zurück. Im Herbst erscheint mit „Track & Field“ das erste Videospiel unter den Tramiels für 2600 und XL. Am 13. November kündigt Atari Nachfolger für die XL-Computer an.

1985 – Der Atari ST kommt
Auf der Winter Consumer Electronics Show in Las Vegas werden im Januar neben der neuen XE-Serie die Computer 130 ST und 520 ST vorgestellt. Diese Rechner besitzen den Motorola 68000 Prozessor (erst war der National 32032 geplant, die Lieferfähigkeit dessen wurde allerdings bezweifelt), der 520 ST mit 512 kB für diese Zeit unglaublich viel Arbeitsspeicher, eine mit der Maus zu bedienende GEM-Oberfläche und die Fähigkeit Farbauflösungen darzustellen, was der ein Jahr zuvor erschienene Apple Macintosh nicht konnte. Entwickler des Konkurrenzsystems Amiga sahen den puristisch ausgerichteten ST eher kritisch. Mit der Vorstellung der XE-Computer wird gleichzeitig die Produktion des 800 XL eingestellt. Am 6. Februar kauft Namco alle Vermögensteile, Patente, Marken- und Urheberrechte von Atari Games auf. Der 520 ST (Bild) wird Spätsommer erstmals ausgeliefert Atari 520 ST (1985-1989) - der 130 ST geht dagegen nie in Serie. Der ST erscheint nur wenige Monate vor dem Amiga, der seine Premiere auf der Sommer-CES hat. In Deutschland wurde der ehemalige Commodore-Deutschland-Chef Alwin Stumpf zum neuen Chef der Atari Computer GmbH. Im Juni stellt Atari auf der Sommer-CES mit dem CDAR 504 sein erstes CD-ROM-Laufwerk vor. Am 15. November wird die Electronic Entertainment Division gegründet, die Leitung übernimmt Michael Katz, bisher CEO bei Epyx.

1986 – 1040 ST und Atari 2600
Der 1040 ST erscheint und auch die 7800-Konsole wird seit Juni nun erneut ausgeliefert, etwas zu spät allerdings - Nintendo hat mit dem NES bereits beachtliche Marktanteile erobert. Das 2600-System geht in der sechsten Version in Serie. Mitte des Jahres macht das Gerücht, Atari würde einen 32-Bit-Computer entwickeln, die Runde. Als erstes schreibt die deutsche Zeitschrift „Data Welt“ über den EST.

1987 – Mega ST, erste IBM-Kompatible Computer und der letzte 8-Bit-Atari
Der immer lauter werdende Ruf nach einem professionellen ST wird erhört - Atari bringt den Mega ST mit abgesetzter Atari XE Game System (1987-1988) Tastatur heraus. Auch die XE-Computer sind noch nicht tot, im Januar kündigt Atari das XE Game System an. Das XEGS besitzt eine abgesetzte Tastatur, es erscheint im November. Anfang des Jahres kauft eine Gruppe Atari Games-Mitarbeiter einige Anteile ihrer Firma von Namco zurück. Im Juli werden von der Atari Corporation neue Spiele für das 2600 angekündigt. Außerdem steigt Atari mit der PC-Serie in den Markt der IBM-Kompatiblen ein, die zu dieser Zeit immer erfolgreicher werden. Hartech USA bringt die unter Lizenz gebauten Atari-Taschenrechner auf den Markt. Außerdem kauft Atari mit „Inmos“ eine kleine englische Firma, die einen Transputer entwickeln. Dieser Transputer arbeitet mit bis zu siebzehn Prozessoren. Er wird als Atari Transputer Workstation 800 in kleinen Stückzahlen gebaut. Am 4. Oktober kauft Atari alle verfügbaren Anteile der Elektromarkt-Kette „The Federated Group“. Atari Games gründet zwischenzeitlich den Publisher „Tengen“, dessen Name – ein Spielertitel – aus dem japanischen Go stammt. Tengen vermarktet die nächsten Jahre viele Atari Games-Spiele für die Konsolen von Nintendo (Game Boy, NES), Atari (Lynx), NEC (Turbo Grafx-16) und Sega (Mega Drive/Genesis, CD, Master System, Game Gear) sowie die Computer Atari ST und Commodore Amiga.

1988 – Wechsel an der Spitze
Atari kauft die Rechte am „Handy“, einer Handheld-Konsole des Spielherstellers Epyx. Das 2600 geht in der letzten Version in Serie, dieser Konsole wird das 32-in-1-Modul beigelegt. Am 19. April wird die Atari Computer Corporation unter Leitung von Charles Babbit gegründet. Jack Tramiel gibt im Mai den Posten des CEO an seinen Sohn Sam ab, der auch weiterhin Präsident bleibt. Jack bleibt nach wie vor im Vorstand. Unter dem Motto „The Fun is Back!“ werden die Konsolen 2600, 7800 und XEGS auf der Sommer-CES ausgestellt. Am 14. November erscheint der PC 5 und auf der COMDEX wird ein früher Prototyp eines portablen ST gezeigt.

1989 – Das letzte gute Jahr: STE, Stacy, Lynx und Portfolio
Am 4. Januar lösen Atari und Hartech ihre Lizenzvereinbarung, Atari stellt die Taschenrechner nun in Eigenregie her. Am 19. Januar wird erstmals die Hotz Box und der Hotz MIDI Translator auf der Winter-NAMM in Anaheim gezeigt. Am 31. Januar erhebt Atari Klage wegen Monopolstellung gegen Nintendo, dieser Prozess wird jedoch erst im Jahr 1992 verhandelt. Auf der COMDEX in Las Vegas werden am 10. April erstmals der 1040 STE, der Pocket-PC „Portfolio“ und der Portable „Stacy“ gezeigt. Auch ein Prototyp eines Computers namens TT/X wird vorgeführt. Am 9. Mai beschließt Atari die komplette Auflösung der „The Federated Group“-Märkte, im selben Monat wird die STE-Serie erstmals in den Handel gebracht. Die kleinen STs sowie der 1040 STF werden daraufhin eingestellt. Im Juni wird die Handheld-Spielkonsole Lynx Atari Lynx I (1989-1992) (Bild) vorgestellt. Das Spielesortiment dafür stammt größtenteils aus der Time-Warner-Tochter Atari Games (unter der Marke „Tengen“) und beinhaltet meist Automaten-Umsetzungen. Nintendo und Atari Games/Tengen bringen gleichzeitig eine Umsetzung des russischen Spiels Tetris heraus – und jeder behauptet die Rechte daran zu haben. Ein Gericht entscheidet im November zugunsten Nintendo. Am 30. August hält der Time-Warner-Konzern 24,6 Prozent der Atari-Corporation-Aktien. Im September wird auf der Atarimesse in Düsseldorf erstmals der TT 030 gezeigt – dieser arbeitet mit einer 68030-CPU, 16 MHz Takt und dem Betriebssystem UNIX, welches man zu dieser Zeit für das Betriebssystem der Zukunft hält – und im Oktober erstmals der Portfolio ausgeliefert. Am 9. November kauft Silo Inc. aus Philadelphia 21 Federated-Group-Märkte in Los Angeles und weitere fünf in San Diego. Atari besitzt jetzt noch 14 Märkte in den Bundesstaaten Texas, Kansas und Arizona, die bis Jahresende 1990 geschlossen werden. Der Lynx wird am 26. November erstmals ausgeliefert, die gesamte Produktion reicht aber gerade einmal für das Weihnachtsgeschäft in New York und Tokyo. Am 7. Dezember erhebt Atari Games Klage gegen Nintendo und Pepsi auf Grund eines Werbespots, in dem ein farbiger Mario auf dem GameBoy-Bildschirm eine Pepsi trinkt, obwohl der GameBoy keinen Farbbildschirm besitzt. Atari und Pepsi einigen sich einen Tag später außergerichtlich, Pepsi übernimmt die Verantwortung für die Anzeige.

1990 – Der Umsatz geht zurück
Die Stacy wird im Januar erstmals in den USA ausgeliefert und die Serienproduktion des TT 030 beginnt. Im März werden fünfzehn Prozent der Belegschaft entlassen. Die Umsatzzahlen sind wieder rückläufig. Am 21. März, nur drei Monate nach Auslieferung der ersten Lynx-Geräte, wird bereits der Lynx II auf der CeBIT vorgestellt, außerdem wird der TT in drei Versionen angekündigt: TT 030/2, TTX und TT 030/X. Am 26. Juni kündigt Atari Games (nach wie vor bei Time-Warner) den Rückkauf der 43 Prozent Anteile an, die noch von Namco gehalten werden. Im Gegenzug soll Namco vollständige Eigentümerschaft über die Atari Games-Tochter Atari Operations erhalten. Die diesjährige Atarimesse im August in Düsseldorf hat 43.000 Besucher. Am 12. November wird der Mega STE samt dem Laserdrucker SLM 605 auf der COMDEX vorgestellt. Die Mega ST-Baureihe samt der Megafile-Laufwerke wird eingestellt, ebenso fallen alle Zwölfzoll-Monitore aus dem Sortiment.

1991 – Mega STE, ein Tablet-Computer, letzte x86-Rechner und eine neue Spielkonsole
Am 12. Januar werden sechs weitere Spiele für das 7800-System angekündigt und im März auf der CeBIT der Tablet bzw. Pentop ST-Pad vorgestellt. Im April machen Gerüchte über eine neue 32-Bit-Spielkonsole namens Panther die Runde. Atari bestätigt die Gerüchte im Mai, doch schon im Juni wird der Panther gestoppt. Parallel zum Panther wird an einer 64-Bit-RISC-Konsole namens Jaguar entwickelt. Das Prinzip des Jaguar, mit mehreren Prozessoren zu arbeiten ist nicht neu - 1986 wird dies schon von Flare2 entwickelt, Atari erwirbt 1990 die Rechte daran. Mit der ABC-Serie wagt Atari am 21. Oktober einen erneuten Start im Sektor der IBM-Kompatiblen. Ende Dezember wird die Produktion der Konsolen 2600 und 7800 sowie des XE Game Systems endgültig eingestellt.

1992 – Das Jahr des Falken
Zu Jahresbeginn wird die Produktion aller übrigen Geräte der XE-Baureihe gestoppt. Am 11. Februar kommt der von Atari Games seit 1989 angestrebte Prozess gegen Nintendo vor Gericht. Nintendo gewinnt diesen am 1. Mai, in der Urteilsbegründung sahen die Richter keinen Beleg dafür, dass Nintendo Atari Games mit einer angeblichen Monopolstellung geschadet hätte. Atari Games kündigt am gleichen Tag Berufung an, zieht diese jedoch am 3. Juli zurück. Währenddessen wird am 10. März auf der CeBIT der FX-1, ein Prototyp des Falcon 030, gezeigt. Bereits wenige Monate später, am 21. August, wird der Falcon 030 in Düsseldorf auf der Atarimesse vorgestellt.

1993 – Das Ende der Atari Computer und der Start der Jaguar-Spielkonsole
Am 3. Juni wird der Start des Jaguars für den Sommer verkündet - dieser erfolgt jedoch erst im Oktober, nachdem das System am 18. August in der Firmenzentrale vorgeführt wurde. Die Produktion des Jaguars übernimmt IBM. Atari selbst ist bereits wieder in den roten Zahlen. Zum Jahresende gibt Atari überraschend die Produktion der Computerbaureihen ST, TT, Falcon, Portfolio und ABC auf und steigt damit vollständig aus dem Computermarkt aus. Nicht mehr erschienene Computer dieser letzten Phase sind der Falcon 040 und die Microbox 030.

1994 – Lynx und Jaguar
Die Rechte am Falcon gehen an die deutsche Firma C-Lab über, die den Computer als C-Lab MK vermarktet. Alle übrigen Bestände an ST-, Konsolen- und 8-Bit-Hardware werden abgeschrieben. Die ersten TOS-Clones machen vor allem im deutschsprachigen Raum die Runde - die Schweizer Firma Medusa bringt den T40 und später den Hades auf 68040-Basis heraus. 1998 folgt von Milan Computer in Kiel der Milan 040, der auch ab 2000 einen Nachfolger auf 68060-Basis erhalten sollte. Aktuellster Clone ist derzeit das Coldfire-Projekt. Am 13. April wird erstmals „Tempest 2000“ für den Jaguar ausgeliefert. Am 5. Mai wird eine Steckkarte für x86-PCs angekündigt, die einen kompletten Jaguar enthalten soll, die Entwicklung übernimmt die Firma Sigma Designs. Der Lynx wird im September gestoppt, Atari konzentriert sich von nun an voll auf den Jaguar. Im gleichen Monat wird ein Jaguar-Modem angekündigt, welches nie erscheinen wird. TimeWarner schließt derweil den Publisher Tengen und benennt Atari Games in Time Warner Interactive um.

1995 – Ein letztes Aufbäumen
Atari Jaguar Duo (1995) Das Virtual Reality System wird im März auf der CeBIT und im Mai auf der Electronics Entertainment Expo (3E) vorgestellt, es geht wie das meiste an angekündigter Jaguar-Hardware nie in Serie. Im September erscheint dennoch der lang versprochene CD-Aufsatz. Zu spät aber, da die deutlich leistungsfähigere Sony PlayStation bereits auf dem Markt war. Gegen Ende des Jahres macht wieder das Gerücht einer neuen Spielkonsole die Runde - Jaguar 2 ist das Stichwort. Die technischen Daten stellen die Sony PlayStation in den Schatten und kommen dem noch nicht erschienenen Nintendo N64 sehr nahe. Atari selbst arbeitet aber seit der Entlassung der Entwicklermannschaft durch Jack Tramiel – dieser hatte die Führung des Unternehmens nach einer Herzattacke seines Sohnes Sam wieder übernommen – im September nicht mehr an dem Projekt. Sämtliche Auslandsniederlassungen werden geschlossen, im Zentrallager in den Niederlanden beginnt die große palettenweise Versteigerung von Neuware, von einer Palette SF 354-Laufwerken über tausende Portfolio-Speicherkarten bis zu Dutzenden ST-Books ist alles dabei, und zum Schluss der Resteverkauf – ein nagelneuer 800 XL kann schon für zwanzig Mark gekauft werden. Nachdem alles verkauft war, wird auch das Zentrallager geschlossen und Atari Europa existiert nicht mehr. Zum Jahresende wird die Produktion der Jaguar-Hardware aufgegeben.

1996 – Ende einer Ära
Am 2. Januar gibt Atari den Start des Labels „Atari Interactive“ bekannt, unter dem einige Spiele für die Windows 95-Plattform erscheinen sollten. Der offizielle Start erfolgt im März. Jugi Tandon, Entwickler einiger Disketten- und Festplattenlaufwerke in den 1980ern, tritt im Februar an seinen Freund Jack Tramiel heran, da es seiner Firma JT Storage wirtschaftlich nicht gerade gut geht und bei Atari noch einige Millionen vorhanden sind. Am 13. Februar wird die bevorstehende Fusion der Atari Corporation mit JT Storage angekündigt. Im Frühjahr zieht Atari aus den verbliebenen Gebäuden in der Borregas Avenue aus und bezieht mit nur noch 120 Mitarbeitern ein leerstehendes Bankgebäude der Bank of America an der 455 South Matilda Avenue in Sunnyvale. Gleichzeitig endet auch der Verkauf der Jaguar-Geräte. Die Homepage JagWire geht online.



Seit 1996: In alle Winde verstreut

Da das heutige Atari bis auf den Namen und einige Namensrechte nichts mehr gemein mit der historischen Firma Atari hat, gehe ich hier nur stichpunktartig auf den weiteren Verlauf ein.

1996 – Neuer Name: JTS Corporation
Atari Interactive Die Firmen JT Storage und die Atari Corporation fusionieren am 30. Juli, die Firma wird als JTS Corporation weitergeführt, Atari Interactive als Marke aufrechterhalten und Tramiel im Vorstand aufgenommen. Einige geplante Jaguar-Titel werden an die britische Firma Telegames verkauft. Die technische Unterstützung der Jaguar-Plattform wird noch bis 1998 aufrechterhalten.

Time Warner verkauft die Time Warner Interactive an WMS Industries (Williams-Midway). Da WMS keine Namensrechte an Time Warner besaß, nahm die Sparte kurzerhand wieder ihren früheren Namen Atari Games Corporation an. Innerhalb von WMS gehörte Atari Games zur Sparte Midway Games.

1997
Activision kauft im September von JTS Lizenzen für Asteroids und Battlezone und beginnt, auf der Basis dieser Spiele eigene Portierungen zu entwickeln.

1998 – Übergang an Hasbro
Die Atari-Rechte werden am 23. Februar für ganze fünf Millionen Dollar in bar an HIAC XI, einer hundertprozentigen Tochter von Hasbro, verkauft. Hasbro selbst hat bereits neun Jahre zuvor die Überreste von Ataris ehemaligem Konkurrenten Coleco aufgekauft. HIAC XI wird in Atari Interactive, Inc. umbenannt. Jack Tramiel geht in den Ruhestand und zieht mit seiner Frau nach Monte Sereno unweit des Silicon Valley, wo er bis zu seinem Tod am 8. April 2012 lebte. JTS meldet am 11. Dezember Insolvenz an und wird am 28. Februar 1999 zerschlagen.

Midway Games und damit auch Atari Games werden aus der WMS Gruppe ausgegliedert. Atari Games wird in Midway Games West umbenannt.

1999 – Der Jaguar wird zur Public Domain-Plattform
Das Jaguar-System wird von Atari Interactive am 13. Mai zur offenen Plattform erklärt. Atari bringt einige alte Titel wie Pong und Frogger für Windows 9x-PCs und die Sony PlayStation auf den Markt.

Midway Games West bringt mit San Francisco Rush 2049 sein letztes Arcade-Spiel mit Atari-Logo auf den Markt.

2000 – Verkauf an Infogrames
Atari-Logo seit 2003 Am 6. Dezember wird Atari Interactive wiederum aufgekauft, diesmal ging sie für hundert Millionen Dollar an den franko-amerikanischen Spielehersteller Infogrames Entertainment. Auch Infogrames bringt unter dem Atari-Label anfangs nur einige Spiele für derzeit gängige Computer- und Konsolensysteme heraus.



2001
Erstmals seit 1996 erscheint am 23. Oktober mit dem PlayStation 2-Titel „MXrider“ eine Neuentwicklung von Atari. Midway Games West gibt das Arcade-Geschäft auf und konzentriert sich auf die Entwicklung von Computerspielen.

2003 – Aus Infogrames wird Atari, Inc.
Am 7. Mai benennt sich der amerikanische Teil von Infogrames in Atari, Inc. um, die Dachgesellschaft läuft aber weiter unter dem alten Atari Games-Logo Namen. Seither sind etliche Spiele für die Konsolen der sechsten und siebten Generation sowie Windows-basierte PCs erschienen.

Midway Games West schließt sein Computerspiel-Studio.

2004 – Flashback
Im September bringt Atari eine Retrokonsole namens Flashback unter eigenem Label auf den Markt.

2005
Im August erscheint bereits Flashback 2.

2007
Im April wird ein Fünftel der Belegschaft auf Grund rückläufiger Umsätze entlassen, im November des selben Jahres gibt es erstmals Pläne, sich auf Nordamerika zu konzentrieren. Atari bzw. Infogrames versucht juristisch gegen die Berichterstattung in Online-Medien vorzugehen. Atari Europe steht zu diesem Zeitpunkt finanziell gut da.

2009 – Infogrames SA geht und Atari SA kommt
Atari SA Am 29. Mai ändert die Dachgesellschaft Infogrames Entertainment SA den Firmennamen in Atari SA und zieht sich gleichzeitig vom europäischen Markt zurück, um sich auf den nordamerikanischen Online-Markt zu konzentrieren. Atari Europe wird von Namco Bandai Games gekauft, umbenannt und zum Vertrieb eigener Spiele verwendet.

Time Warner übernimmt die Markenrechte an Atari Games von der zerschlagenen Midway Games.

2010 – Die kurze Rückkehr von Nolan Bushnell
Im Februar 2010 wird die Flashback 2-Konsole leicht überarbeitet und als Flashback 2+ in den Handel gebracht. Nolan Bushnell ersetzt David Gardner nach dessen Rücktritt als CEO im April, damit ist Bushnell fast 32 Jahre nach seinem Ausstieg wieder an Bord, wenig später wechselt er auf einen Beraterposten, um Jim Wilson als CEO Platz zu machen. Am 21. Dezember verliert Atari vor dem OLG Düsseldorf einen Prozess, in dem sie die Firma Rapidshare dazu zwingen wollte, Maßnahmen zu ergreifen, um Urheberrechtsverletzungen durch User der Plattform auszuschließen.

2011 – AtGames übernimmt die Flashback-Serie
Nachdem zwischenzeitlich mit Hilfe von Curt Vendel an den Spielkonsolen Flashback 3 (aus Basis des Atari 5200 bzw. der Heimcomputer) und Flashback Portable gearbeitet wurde, gab Atari die Lizenz zur Produktion der Serie an AtGames ab, dort erschienen bisher eine andere Flashback 3-Konsole sowie deren Nachfolger Flashback 4. Atari selbst konzentriert sich derzeit darauf, die Spieleklassiker auf Smartphones und Tablets umzusetzen.

2013 – Insolvenz
Im Januar 2013 melden die in den Vereinigten Staaten ansässigen Töchter von Atari SA (Atari Inc., Atari Interactive Inc., California U.S. Holdings Inc. und Humongous Inc.) Insolvenz an. Laut metro.co.uk hat der vormals als Infogrames bekannte Publisher in Frankreich schwere finanzielle Probleme. Die gerade so gewinnbringenden US-Gesellschaften hoffen durch den Insolvenzantrag, von einer anderen Firma aufgekauft zu werden und sich so von der schwer angeschlagenen Muttergesellschaft lösen zu können. Die Suche nach einem geeigneten Käufer blieb jedoch erfolglos, daher versuchte man, die Namensrechte im Juli zum Verkauf anzubieten, was ebenfalls scheiterte. Vor Gericht reichte Atari, Inc. daher einen Insolvenzplan ein, der im Dezember genehmigt wurde. Ein Insolvenzkredit in Höhe von 3,8 Mio. Dollar sollte an Alden Global Capital zurückgezahlt werden und außerdem in drei Tranchen über zwei Jahre insgesamt 1,75 Mio. Dollar an die nicht abgesicherten Gläubiger. Atari verkaufte außerdem einige Lizenzen, darunter Master of Orion und Total Annihilation an Wargaming.net, Star Control an Stardock, Battlezone und Moonbase Commander an Rebellion, Backyard Sports an Epic Gear, Math Gran Prix und FattyBear's Birthday Surprise sowie alle verbliebenen Marken von Humongous Entertainment außer Backyard Sports und Moonbase Commander an Tommo. Atari SA trennte sich bereits zuvor von Silver und Desperados (an Nordic Games) und Outcast (AMA Studios/Daoka).

2014 – Alamogordo, die Zweite
Atari und FlowPlay kündigen an, gemeinsam ein Casinospiel basierend auf Vegas World für Browser, Smartphones und Netzwerke entwickeln zu wollen. Ab dem 24. April wird der „Mythos von Alamogordo“ aufgedeckt, bei Ausgrabungen, die von der Stadt unter Bürgermeister Robert Rentschler genehmigt wurden, werden aus sechs Meter Tiefe diverse Atari-Devotionalien zu Tage gefördert. E.T.-Entwickler Howard Scott Warshaw, dem immer noch ungerechterweise angelastet wird, mit seinem Spiel eine ganze Branche in den Ruin getrieben zu haben, war mit vor Ort. Beteiligt waren auch die Stony Brook University aus New York, die American School of Classical Studies aus Athen, Spieleentwickler und -historiker Mike Mika aus Oakland und Autor Ernest Cline aus Austin. Gegenwehr gab es zuerst von Umweltschützern, u.a. aus Sorge vor eventuellen Schwermetallen im Elektroschrott.

2017 – AtariBox, anyone?
CEO Fred Chesnais kündigt im Juni eine neue Spielkonsole namens „AtariBox“ an, die auf PC-Technologie basieren soll. Weitere Details stehen derzeit noch nicht fest.


Letzte Seitenbearbeitung: 11. Juli 2017
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