Atari 400 und 800 

Atari 800

Mit der Entwicklung der Heimcomputer wurde im Sommer 1977 begonnen, im Januar 1979 wurden die Geräte erstmals vorgestellt. Im August folgte die erste kleine Lieferung an Sears, die die Serie ab dem 1. September 1979 testweise verkaufte. Bis zum Weihnachtsgeschäft 1979 war die Serie dann landesweit lieferbar. Zu dieser Zeit war der Heimcomputermarkt noch relativ unbedeutend, die einzigen Konkurrenzprodukte waren der Commodore PET, der Apple II und der TI-99/4A von Texas Instruments. Doch schon in den drei folgenden Jahren gab es einen gewaltigen Boom rund um die erste Generation der Heimcomputer, deren erfolgreichster Vertreter, der Commodore 64, 1982 herauskam.

Die gesamte Serie durchlief verschiedene Entwicklungsstadien, so war anfangs geplant, einen Computer („Colleen“) und eine Spielkonsole („Candy“) zu bauen, letztere sollte das Video Computer System ablösen. Später kam mit „Elizabeth“ noch ein drittes Element dazu, welches „Colleen“ und einen 13-Zoll-Bildschirm in einem Gehäuse vereinen sollte. „Candy“ hatte zu Beginn gar keine Tastatur, später dachte man daran, eine Tastatur über die Gamecontrollerports 3 und 4 anschließen zu können. Schlussendlich erhielt „Candy“ doch eine Tastatur. Die Tastatur von „Colleen“ sollte ursprünglich einen numerischen Tastenblock besitzen und das Netzteil im Computer eingebaut sein.

Atari 400 „Candy“
Mit anfangs nur 8 kB Arbeitsspeicher und ohne eingebautes BASIC (muss als Modul eingesteckt werden) kam der Atari 400 für etwa 550 Dollar im September 1979 bei der Kaufhauskette Sears, Roebuck & Co. auf den Markt. Anfangs war der 400, der 1977 noch „C-7000“ genannt wurde, noch völlig ohne Tastatur als reine Spielkonsole geplant. Erst Ende 1978 wurde eine Tastatur mit eingeplant, so dass man ihn beispielsweise auch als Lerncomputer nutzen könnte. Die Entscheidung fiel auf eine leicht zu reinigende Folientastatur. Im Januar 1981 wurden zusätzlich Modelle mit 16 kB Arbeitsspeicher angeboten, das 8 kB-Modell wurde am 5. Mai 1981 eingestellt. Anfang der 1980er Jahre wurde damit begonnen, Spielhallenklassiker für die Homecomputer umzusetzen. Eine Fülle von Spielmodulen überschwemmte den Markt, für die beiden Ataris besonders interessant, da sie über vier Joystickports verfügen. Bemerkenswert ist auch, dass die Spezialchips ANTIC, POKEY, GTIA (bis 1981 CTIA) und PIA unverändert bis zum letzten 8-Bit-Atari (XE Game System, 1987) zum Einsatz kamen. Im Dezember 1980 lagen die Verkaufszahlen der 400/800-Reihe bei 35.000 Einheiten, am 13.12.1982 bereits bei 400.000. Im Mai 1983 wurde der Computer aus dem Programm genommen, im Oktober 1983 trat der 600 XL die offizielle Nachfolge des 400 an.

Atari 800 „Colleen“
Der Atari 800 ist der „große Bruder“ des 400. Anstelle der Folientastatur ist hier eine echte Schreibmaschinen-Tastatur zu finden und ein zweiter Modulschacht wurde eingebaut. Letzterer wird allerdings nur von sehr wenigen Modulen, die die Aufschrift „Right Cartridge“ besitzen, unterstützt. Zusätzlich ist das Aufrüsten des Arbeitsspeichers wesentlich einfacher als beim 400, hier wird einfach nur die gesamte zweiteilige Hauptklappe entfernt, darunter sieht man einen ROM- und drei RAM-Steckplätze. Außerdem verfügt der 800 über einen Monitorport, in Australien gab es dazu passend mit dem Atari 900 einen — wahrscheinlich inoffiziellen — Monitor. Für das Geschäftsjahr 1983/84 wurden allein die Verkäufe des 800 auf 250.000 Geräte angegeben. Ein später geplantes kostenreduzierted Modell wurde nicht mehr verwirklicht. Die letzten Geräte wurden im September 1983 für 165 Dollar verkauft, der Preis bei Erscheinen der Baureihe im Jahr 1979 lag bei 1080 Dollar. Nach Erscheinen des Nachfolgers 1200 XL in Nordamerika bzw. des 800 XL im Rest der Welt wurde die Produktion des 800 im Mai 1983 eingestellt.

Peripherie
Passend zu den Computern wurde auch eine Reihe von Peripheriegeräten entwickelt. Die meisten von ihnen werden über den SIO-Port angeschlossen. SIO steht dabei für Serial Input Output, eine universelle serielle Schnittstelle. Form und Größe der Schnittstelle wurden mit Absicht so gestaltet, dass ein falsches Einstecken, von dem die damals unbedarften Nutzer dachten, es könnte katastrophale Folgen wie eine Explosion hervorrufen, vollkommen unmöglich war. Beide Computer hatten jeweils eine SIO-Schnittstelle, an der die Geräte nacheinander via „Daisy-Chaining“ angeschlossen wurden. Am SIO-Port arbeitete auch Joe Decuir mit, der später auch an der Entwicklung der heute weit verbreiteten USB-Schnittstelle beteiligt war und einige Patente auf diesem Bereich hält.

Die Geräte und Kabel im Einzelnen:
Atari reservierte weitere Modellnummern für eventuell später erscheinende Produkte, darunter 816 und 817 für Diskettenlaufwerke, 827 für einen Drucker, 837 für ein Modem, CX-802 bis CX-809 für diverse Betriebssystemmodule und CX-851 sowie CX-854 bis CX-859 für Arbeitsspeicher-Module.
Technische Daten
Prozessor MOS 6502A
Taktfrequenz 1,79 MHz (NTSC)
1,77 MHz (PAL)
Arbeitsspeicher (RAM) 8–16 kB (400)
8–48 kB (800)
Festspeicher (ROM) 10 kB
Betriebssystem Atari OS
Grafikchips Atari Alpha Numeric Television Interface Controller (ANTIC)
Atari Color Television Interface Adapter (CTIA)
(später ersetzt durch den Graphics Television Interface Adapter (GTIA))
Auflösungen (Grafik) 80 × 192
160 × 192
320 × 192
Farbpalette 256
Soundchip Atari Potentiometer and Keyboard Integrated Circuit (POKEY)
Soundkanäle 4 PSG
Tastatur Folie, 57 Tasten + 4 Funktionstasten (400)

Schreibmaschine, 57 Tasten + 4 Funktionstasten (800)
Entwicklungsbeginn Juni 1977
Vorstellung Januar 1979
FCC-Freigabe 15. Juni 1979 (800)
Im Handel 1. September 1979
Einstellung Mai 1983

Bilder
Atari 400 Atari 800 Atari 400

Erstes Logo, abgedruckt im Sears-Katalog 1979
Atari 400

zerlegt in Einzelteile
Atari 400

Mainboard, Daughterboard und CPU-Karte
Atari 800

Mainboard, Daughterboard und CPU-Karte
Atari 800

Modulschacht, hier mit Modul CXL-4002 „BASIC“ im linken Schacht, 10K ROM (CX 801) und 3× 16K RAM (CX 853, davon 1 ohne Gehäuse)
Atari 800

Schreibtisch zu Anfang der 1980er Jahre – zu sehen sind der Atari 800, zwei 810 Diskettenlaufwerke, der Drucker 825, der Datenrekorder 410P und das Schnittstellenmodul 850.
Atari 400

Anschlüsse
Atari 800

Anschlüsse, von links nach rechts: Monitor, SIO, Kanalwahlschalter, An-/Ausschalter, Netzteil. Das Antennenkabel ist eingebaut und ragt an der Rückseite heraus, die vier Controllerports befinden sich an der Frontseite.
Atari CX 801
ROM-Modul
Startbildschirm
Atari 410
Datenrekorder


Frühe in Japan gebaute Version
Start August 1979
Stopp ca. 1980

Übertragungsrate 600 bps
4 Spuren
1 Datenkanal
1 Audiokanal
Kapazität 100 kB/Kassette
Anschluss über SIO (Endglied)
Atari 410
Datenrekorder


Version 410a, produziert in Taiwan
Start ca. 1980
Stopp ca. 1981
Atari 410
Datenrekorder


Version 410 P
Start ca. 1981
Stopp Mai 1983
Atari 810
Diskettenlaufwerk


Vorgestellt Januar 1979
Eingestellt Mai 1983

Es existieren Versionen von den Herstellern MPI und Tandon. Die Tandon-Variante besitzt einen Schiebeverschluss, die MPI-Version einen Schnappverschluss.

Format 5¼ Zoll
Kapazität 90 kB
40 Spuren
18 Sektoren/Spur
128 Bytes/Sektor
Übertragungsrate 128 kB/s
Motor 288 U/min
Anschluss über SIO

Neupreis $ 599
Atari 815
Diskettenlaufwerk


Vorgestellt Juni 1980
Eingestellt August 1980

Das Laufwerk fiel in der Qualitätskontrolle mit schwerwiegenden Mängeln durch, etwa 60 Stück wurden dennoch ausgeliefert.

Format 5¼ Zoll
Kapazität 180 kB
40 Spuren
18 Sektoren/Spur
256 Bytes/Sektor
Übertragungsrate 128 kB/s
Motor 288 U/min
Anschluss über SIO

Neupreis $ 1498
Atari 820
Nadeldrucker


Vorstellung Januar 1979
Einstellung Mai 1983
Baugleich mit Eaton 7000 und LRC 7000

40 Zeichen/Zeile
Anschluss über SIO
Atari 822
Thermodrucker


Vorstellung Juni 1980
Einstellung Mai 1983
Baugleich mit Trendcom 100

Anschluss über SIO

Bild mit freundlicher Genehmigung von Martin Meyer
Atari 825
Nadeldrucker


Vorstellung Januar 1980
Einstellung Mai 1983
Baugleich mit Centronics 737

80 Zeichen/Zeile
Anschluss über Interface 850
Atari 830
Akustikkoppler


Vorstellung Januar 1980
Einstellung Mai 1983

Übertragungsrate 300 Baud/s
Anschluss über Interface 850

Bild mit freundlicher Genehmigung von Matthias Wittland
Atari 835
Modem


Vorstellung 1981
Einstellung Mai 1983

Übertragungsrate 300 Baud/s
Anschluss über SIO
Atari 850
Schnittstellenmodul


Vorstellung Januar 1980
Einstellung Mai 1983

2 SIO-Schnittstellen
4 serielle Schnittstellen
1 parallele Schnittstelle
Anschluss über SIO
Atari 850 P
Schnittstellenmodul


seltenere Metallgehäuse-Version, technisch identisch mit der 850
Atari CX 40
Joystick


erste graue Variante vom September 1979, eingestellt im Mai 1983
Atari CX 70
Light Pen


Vorstellung Juni 1980
Einstellung Mai 1983
Atari CX 85
Numerischer Tastenblock


Vorstellung 1981
Einstellung Mai 1983
Atari CX 853
Arbeitsspeicher-Modul


16 kB
Daneben gibt es noch CX 852 (8 kB).

Letzte Seitenbearbeitung: 24. Januar 2015