Atari PC 

Atari PC 2

Inhaltsverzeichnis
   → Geschichte
   → PC 1: Atari PC
   → PC 2: Atari Business PC
   → PC 3
   → PC 4 / PC 4 Mitac
   → PC 5
   → Peripherie
   → Technische Daten

Geschichte
Als die PC-Serie im Januar 1987 auf der Pressekonferenz der Winter CES mit Sam Tramiels markigen Worten „Today we declare war to the computer industry!” vorgestellt wurde, glich dies einer mittleren Sensation. Bisher gab es entweder nur die vergleichsweise teuren PC-Modelle von IBM und Commodore oder die aus diversen fertigen Bauteilen zusammengesteckten PCs aus Fernost. Laut Chefentwickler Shiraz Shivji, der die PC-Architektur schon zwei Jahre zuvor als veraltet bezeichnete, wollte Atari trotz allem ein Bein in diesem Markt haben, und ließ aus sowohl marketingtechnischen Gründen als auch als Herausforderung einen PC aus einem Guss entwickeln, der zu einem Kampfpreis von 499 Dollar auf den Markt kommen sollte. Im Gegensatz zur Konkurrenz sollte dieser Computer aber auch alle gängigen Grafikmodi beherrschen – der von Atari entwickelte EGA-Grafikchip ist zu den Standards MGA und CGA sogar kompatibler als das IBM-EGA-Original von 1983. Der Unterschied lag darin, dass Atari das Gate-Array 6845 komplett implementierte und nicht, wie bei IBM, nur einige Funktionen und Register des Arrays nutzte. Auf der selben Pressekonferenz wurden auch weitere Modelle mit 80286- und 80386-Prozessoren angekündigt, die im Lauf der nächsten zwei Jahre auch auf den Markt kamen – der 386er allerdings ohne die grafische Benutzeroberfläche Windows, wie zuerst geplant. Letztendlich konnte sich die PC-Serie leider nicht so wirklich durchsetzen und wurde 1990 zu Gunsten der ABC-Serie eingestellt.

PC 1: Der Atari PC
Der Atari PC, zur Unterscheidung von den anderen Modellen auch PC1 genannt, in seinem an den Mega ST angelehnten Gehäuse ist extrem klein, dafür auch fast ohne Erweiterungsmöglichkeiten, einzig auf zwei Stiftleisten am linken hinteren Ende kann ein ISA-Steckplatz aufgesetzt werden, der dann z. B. einen Festplattencontroller aufnehmen kann – Platz für eine 3½"-Festplatte ist vorhanden. Der Computer hatte damals dank eines leistungsfähigen Chipsets die bei anderen Herstellern meist nicht alle zeitgleich vorhandenen Grafikmodi EGA, CGA, Hercules und IBM-monochrom sowie einen fest integrierten Mausanschluss, der es ohne Nachrüstarbeiten ermöglichte, grafikbasierte Programme wie Microsoft Windows (damals in der Version 2.0 erhältlich) oder PC GEM laufen zu lassen. Im Inneren verrichtet eine Intel 8088-CPU ihre Arbeit, die per Software von 4,77 auf 8 MHz umgeschaltet werden kann. Als Betriebssystem dient dem PC MS-DOS in der Version 3. Das Board selbst folgt absolut keinem Standard, alle Bauteile sind so angeordnet, wie sie benötigt werden. Das Diskettenlaufwerk ist ein für PCs damals standardmäßiges 5¼"-Laufwerk mit einer Speicherkapazität von 360 kB je Diskette. Extern können bis zu zwei zusätzliche Floppys angeschlossen werden. Eine Erweiterungsbox mit Platz für eine Festplatte war zwar geplant, am Prototyp wurde auch ein Systembus an der rechten Seite dafür herausgeführt, sie wurde aber nicht verwirklicht.

Atari PC Atari PC Anschlüsse Atari PC Erweiterungssteckplatz Atari PC Mainboard
Atari PC ISA-Adapter Atari PC Prototyp mit grünem PCM124-Monitor und ST-Diskettenlaufwerk Atari PC Screenshot Atari PC Startbildschirm


PC 2: Der Atari Business PC
Der PC 2, der zuerst als Atari Business PC vorgestellt wurde, hatte dieselben technischen Daten wie der PC 1, aber er bekam ein deutlich größeres Gehäuse, das fünf ISA-Steckplätze und zwei Diskettenlaufwerke beinhaltete. Eine Festplatte hatte er nicht, diese konnte aber nachgerüstet werden, dazu musste auch ein Festplattencontroller eingebaut werden.


Atari PC 2 mit PCM 124


PC 3
Der PC 3 unterscheidet sich von den Modellen PC 1 und PC 2 nur wenig, abgesehen von der Festplatte und dem anderen Gehäuse. Von allen Atari-Desktop-PCs war dieser der meistverkaufte. Der Einbau von neuen Laufwerken gestaltet sich sehr schwierig, da man spezielle Schienen braucht und davor ohnehin das gesamte System zerlegen muss. Im Inneren findet man zudem fünf 8-Bit-ISA-Steckplätze. Die ersten Modelle haben übrigens einen dunkelgrauen Sockel, während der Sockel der letzten Geräte hellgrau ist.
Atari PC 3 Atari PC 3 Anschlüsse Atari PC 3 ISA-Steckplätze Atari PC 3 Mainboard


PC 4
Der PC 4 hatte mit dem AMD Am286 einen etwas neueren Prozessor als die anderen Geräte (nebenbei: der i486 kam zu der Zeit gerade auf den Markt). Das Platinen-Layout wurde nur geringfügig verändert, der Rechner verfügt nun über einen 8-Bit- sowie vier 16-Bit-ISA-Steckplätze. In Deutschland gab es 1989 noch eine andere Version des PC 4, diese wurde von Atari weder entwickelt noch gefertigt. Diese als PC 4 vermarktete Version ist eigentlich ein Mitac Paragon 286VE.

Atari PC4


PC 5
Der PC 5 wurde mit einem i386SX-Prozessor ausgestattet, dessen Taktfrequenz der Kunde bei Bestellung selbst zwischen 6, 16 und 20 MHz wählen konnte. Außerdem verfügt der PC5 als einziger Atari-Computer über einen PS/2-Anschluss für die Tastatur, der damals allerdings noch nicht Standard war, sondern nur vom IBM Personal System 2 verwendet wurde. Als Betriebssystem kam wahlweise die Unix-Variante EURIX oder MS-DOS 5.0 zum Einsatz.

Atari PC 5


Peripherie
Eine Reihe von Peripheriegeräten wurde speziell für die PC-Serie entwickelt, einiges davon kann aber auch an anderen Atari-Computern verwendet werden.

Monitore
Massenspeicher
Sonstiges
Atari PCM 124 Atari PCM 125 Atari PCC 1415 Atari PCF 554
Atari HPC 301 Card Drive Atari PCH 204 Atari PCM 1 Atari PC Tastatur im Enhanced-101-Tasten-Layout


Technische Daten
PC 1 PC 2 PC 3 PC 4 PC 5
Prozessor Intel 8088-2 Intel 8088-2 Intel 8088-2 AMD Am286 Intel i386SX
Taktfrequenz 4,77 MHz, 8 MHz im Turbo-Modus 4,77 MHz, 8 MHz im Turbo-Modus 4,77 MHz, 8 MHz im Turbo-Modus 8, 12 oder 16 MHz nach Wahl 6, 16 oder 20 MHz nach Wahl
Arbeitsspeicher 512 kB
+256 kB VRAM
512 kB
+256 kB VRAM
640 kB
+256 kB VRAM
1 MB 2 MB
Betriebssystem ab Werk MS-DOS 3.2 MS-DOS 3.2 MS-DOS 3.2 MS-DOS 3.30 MS-DOS 5.0 oder EURIX
Grafikauflösungen 720×348 (MDA, Hercules)
640×350 (EGA)
640×200 (CGA)
720×348 (MDA, Hercules)
640×350 (EGA)
640×200 (CGA)
720×348 (MDA, Hercules)
640×350 (EGA)
640×200 (CGA)
720×348 (MDA, Hercules)
640×480 (VGA)
640×350 (EGA)
640×200 (CGA)
720×348 (MDA, Hercules)
640×480 (VGA)
640×350 (EGA)
640×200 (CGA)
Farbpalette 512 512 512 512 512
Diskettenlaufwerk ab Werk 5¼″ DD doppelseitig, 360 kB 5¼″ DD doppelseitig, 360 kB 5¼″ DD doppelseitig, 360 kB 5¼″ DD doppelseitig, 360 kB

oder

3½″ HD 1,44 MB nach Wahl
5¼″ HD 1,2 MB
Festplatte ab Werk 5¼″ RLL, 30 MB 5¼″ RLL, 30 MB

oder

Wechselplatten- laufwerk 44 MB nach Wahl
5¼″ RLL, 60 MB
Entwicklungsbeginn
Ankündigung     2. November 1987   2. November 1987
Vorstellung 8. Januar 1987 als Atari PC März 1987 als Atari Business PC   2. November 1987  
Im Handel September 1987 Januar 1988 Januar 1988 Mai 1988 März 1988
Produktion eingestellt 1990 1990 1990 1990 1990
Neupreis bei Erscheinen in Deutschland

Letzte Bearbeitung: 3. Mai 2018